
inik Linneweber
Interview
mit Dominik Linneweber
EINE PERSON MIT GEGENSÄTZEN


Dominik, wenn man deinen Namen in der Partyszene fallen lässt, erntet man entweder die Geschichte eines sehr erfolgreichen Veranstalters oder aber teils konkrete Vorwürfe an deiner Person und deiner Arbeit. Wie siehst du das?
Ich polarisiere tatsächlich sehr. Ich habe nicht nur Fans, die mich und meine Projekte lieben und unterstützen. Ich weis, was ich will und habe meine Standpunkte, zu denen ich mich auch, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, äußere. Die ganze Polarisierung meiner Person fing, glaube ich, an, als mich die Herausforderungen im Match Club und mit meinem damaligen Geschäftspartner, Michael Ecker, einholten.
Es wurde viel – nicht nur Wahres – über mich und die Vorkommnisse in die Welt gesetzt. Es war für mich nach diesen Ereignissen nicht unbedingt leicht wieder Fuß zu fassen.
In dieser schweren Lebenskrise, in der ich mich befunden habe, habe ich erfahren, welche Menschen meine wahren Freunde sind, wer loyal und unerschütterlich zu mir steht – und wer nicht! Vermutlich habe ich auch Fehler gemacht, sonst wäre ich nicht in dieser „Krise“ gewesen. Schon zu Beginn meiner Karriere musste ich lernen, dass mir der Erfolg nicht nur Freunde brachte.
Du sprichst selbst von einer Krise, in der du dich befunden hast. Wie hast du es geschafft, diese Krise zu bewältigen?
Ich bin immer schon der Meinung gewesen, dass eine Krise immer die Saat für einen noch größeren Erfolg ist. Solange man aufsteht, wenn man gefallen ist, hat man noch nicht verloren. Erst, wenn man liegen bleibt, hat man verloren.
Eigentlich hab ich mir nie überlegt, ob ich es wieder schaffe, sondern, wie ich es wieder schaffe.
Ich hatte aber auch das große Glück, Freunde an meiner Seite zu haben, die mir nicht vorjammerten, wie schlimm dies alles sei und, dass das ja wohl das Ende meiner Karriere bedeuten würde, sondern die mich aufbauten, die mich ermutigten und mir sagten, wie einzigartig und toll meine Konzepte immer schon waren und, dass ich es wieder schaffe werde.
Ich habe also erfahren, wer meine wahren Freunde sind. In dieser Situation trennt sich nämlich die Spreu vom Weizen. Freunde, die ich als meine besten angesehen hatte, meldeten sich plötzlich nicht mehr.
Und trotz dieses Wissens hat es immer wieder weh getan. Freunde und Bekannte, mit denen ich seit längerem keinen oder nur wenig Kontakt hatte, und sogar fast vollkommen Fremde sind auf mich zukommen und haben mir ihre Hilfe angeboten. In dieser schweren Lage, die ich damals erlebt habe, habe ich auch erkannt, wer die Mitarbeiter, Lieferanten und Partner sind, auf die ich wirklich zählen konnte.
Die größte Abkehr erlebte ich im Kreise meiner Mitbewerber und Gastro-Kollegen. Heute, mit einem zeitlichen Abstand, verzeihe ich diesen Menschen. Damals aber verspürte ich Wut, Ärger und Enttäuschung.
Am meisten hat mich der Zuspruch der Leute wieder aufgebaut, die mir in der Krise Nachrichten per Email oder per Facebook geschrieben haben, oder mich persönlich angesprochen und mich ermutigt haben, immer wieder weiter zu machen und nicht aufzugeben. Mitbewerber und Kollegen haben natürlich in meiner Krise auch die Gunst der Stunde genutzt um selbst Nutzen für sich daraus zu ziehen.
Aus der Szene-Gastro haben mich nur Ken vom NY.Club und Waldi vom Eden immer wieder unterstützt beziehungsweise haben sich immer fair und professionell aus Allem herausgehalten. Dafür schätze ich die Beiden wirklich und bin ihnen sehr dankbar.
Selbst dein Versuch, das Restaurant Morizz zu retten, wird dir von manchen Leuten zur Last gelegt.
Wie kann so etwas sein?
Das stimmt (Dominik lacht). Darüber war ich selbst sehr überrascht und enttäuscht. Ich bin zum Beispiel vor einiger Zeit auf einem Event von einem Gast damit konfrontiert worden, wieso ich das Morizz, sein Lieblingslokal, kaputt gemacht hätte.
Es war wirklich sehr schwierig, ihm die Wahrheit klar zu machen. Es ist ja kein Geheimnis, dass das Morizz als ich, als ehemaliger Stammgast, zusammen mit einer damaligen Morizz-Mitarbeiterin das Lokal übernommen haben, bereits kurz vor dem Ende stand. Der Wandel der letzten Jahre in der schwulen Szene, aber auch von Anfang an die zu hohe Pacht und die fehlenden Außenplätze im Sommer waren einfach das Hauptproblem.
Die früheren Besitzer, Ricci und Thomas, hatten den Pachtvertrag bereits gekündigt, da sie nicht mehr weitermachen konnten und wollten. Wir wollten damals, zusammen mit zwei weiteren langjährigen Stammgästen, das Lokal, das wir so liebten, am Leben erhalten. Wir haben Ricci davon überzeugen können – wenn auch nur 2 weitere Jahre – es weiter mit dem Morizz und unserer Unterstützung zu versuchen. Drei Jahre haben wir es dann insgesamt noch geschafft.
Dann ist uns aber auch die Kraft und die Energie ausgegangen. Ich sehe es aber trotzdem als einen Erfolg, da ich um jedes Jahr froh bin, in dem das Morizz weiter geben konnte. Und natürlich über jede der legendären Puffpartys oder Rosenmontagsbälle, die zu meiner Zeit ja auch noch die Spitze des Erfolgs erreichen konnten. Insgesamt haben wir es ja dann auch noch geschafft, die 20 Jahre zu vollenden.
Du warst, nach der legendären Popparty im Match Club mit deinen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren in wechselnden Locations – Waren diese immer so erfolgreich wie damals?
Nein. Das auf gar keinen Fall. Weil mir kein eigener Club zur Verfügung stand, habe ich – wie Du sagst – mit meinen Veranstaltungen bei verschiedenen Objekten mein Glück versucht. In einigen ging es sehr gut in anderen weniger. Es war mir natürlich auch klar, dass es bei der einen oder anderen Location schwierig werden würde, da diese bereits mit ihrem eigenen Programm nicht immer erfolgreich waren.
Dies war der Grund warum man mir auch teilweise überhaupt erst die Möglichkeit gegeben hat, mich dort zu versuchen. Aber im Großen und Ganzen war es für beide Seiten immer eine Win-Win Situation, da der Club an meinen Abenden zumeist besser ausgelastet war und ich eine Heimat für meine Events hatte.
Ich liebe es für meine Gäste zu veranstalten, bin ehrgeizig und habe den unbedingten Willen meine Eventideen umzusetzen. Richtig ist aber auch, dass ich das ein und andere Mal die Probleme der Location oder der dort intern herrschenden Struktur früher hätte erkennen müssen. Für diese Fehler habe teilweise ordentlich Lehrgeld zahlen müssen.
Was machst du momentan? Wann welchen Projekten arbeitest du?
Ich selbst werde erst im August beziehungsweise im September wieder mit einem neuen eigenen Szene-Konzept starten.
Ich freue mich persönlich schon jetzt sehr darauf. So lange bin ich nur mit meiner Firma für Gastronomie-Beratung , fast ausschließlich im hetero Bereich tätig.
Dominik, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei deinen Projekten, vor allem natürlich bei deinem neuen Szene-Projekt im Spätsommer. Wir sind gespannt darauf.